Wie macht man die Psychologie der Identität begehbar? Das Thema ist entweder zu abstrakt oder – im Falle von Kriegsversehrten – so „harter Tobak", dass Besucher eher wegsehen als hinschauen. Wir mussten einen Weg finden, die Empathie zu aktivieren, ohne in Voyeurismus zu verfallen. Im ersten Kapitel, „Die Zerbrochenen", konfrontieren wir den Besucher mit Gesichtern von Kriegsveteranen des ersten Weltkriegs.
Der zweite Teil, „Dein Gesicht auf Filtern", zieht die Linie in die Gegenwart. Wir untersuchen, wie die algorithmische Optimierung unsere Wahrnehmung korrumpiert. Durch den ständigen Konsum modifizierter Gesichter verschiebt sich unsere Baseline, bis das gesunde, normale Gesicht als „fehlerhaft" empfunden wird (Body Dysmorphic Disorder). Was einfach klingt, wird zur psychologischen Hürde und macht die schleichende Entfremdung physisch erlebbar.
Um diese Transformation auch baulich zu unterstützen, habe ich ein modulares Gestalt-System entwickelt. Auf einem industriellen Trägergerüst haben wir eine zweite Ebene aus recycelten PVC-Matten eingezogen. Die Matten fungieren als Membran zwischen Realität und Erwartung, zwischen Versehrtheit und Optimierung. Gleichzeitig blieb das System so flexibel, dass wir auf räumliche Veränderungen sofort reagieren konnten.
Szenografie bedeutet, den Besucher in eine unbequeme Wahrheit zu verwickeln. Wer das Stapferhaus verlässt, sieht im Spiegel nicht mehr nur Haut und Knochen – sondern ein Konstrukt aus Erwartungen. Diese Arbeit beweist, dass man von der Chirurgie des ersten Weltkriegs bis zum Selfie-Filter von heute eine konsistente Geschichte über die Zerbrechlichkeit unserer Identität erzählen kann.